Christliches Europa?

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die Europäische Gemeinschaft ist – wieder einmal – an einem Tiefpunkt angelangt. Der Grund ist der Umgang mit Flüchtlingen, die über das Mittelmeer kommen, und deren Rettern. Der Fall des Rettungsschiffes „Sea-Watch“ und seiner Kapitänin Carola Rackete führt deutlich vor Augen, wie es um christliche Werte in dieser Europäischen Gemeinschaft bestellt ist.

Foto: Timo Klostermeier / pixelio

 

Da werden Menschen, die das Leben anderer retten, plötzlich von Regierungen – allen voran die italienische – als Kriminelle dargestellt. Die Christenpflicht, bedrohten Menschen zu helfen, wird kriminalisiert.

Auffallend ist, dass vor allem die rechtspopulistischen Regierungen im Osten Europas und in Italien, die vorgeben, das christliche Abendland retten zu wollen, sich besonders dabei hervortun, christliche Grundwerte zu verraten. Diese Regierungen sind es, die das christliche Europa ruinieren – und nicht etwa die aus existenzieller Not zugewanderten Muslime.

Es ist tröstlich, dass Zigtausende Menschen am vergangenen Wochenende in Deutschland auf die Straße gegangen sind, um ihre Solidarität mit den Seenotrettern zu demonstrieren.

Und auch Papst Franziskus setzte am Montag ein deutliches Zeichen. Er feierte im Petersdom eine Messe mit ehemaligen Bootsflüchtlingen und mit Seenotrettern. Dabei prangerte er die Verhältnisse in Auffanglagern an und betete für die Opfer von Schiffbrüchen im Mittelmeer. Der Papst erinnerte in seiner Predigt an die Option Jesu für die Letzten und sagte unter anderem: „Die Letzten sind die, die den Wellen eines erbarmungslosen Meeres trotzen.“

Es ist ein Armutszeugnis für das christliche Europa, dass Proteste für die Seenotrettung und solch deutliche Zeichen und Worte des Papstes überhaupt nötig sind.

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